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Ein Wochenende in Hamburg: Jüdische Stimmen, Israel-Debatten – und ein Krieg, der am Schabbat begann

Jugendkongress 2026
Jugendkongress 2026

Die JuKo 2026, die Jüdische Jugendkonferenz der ZWST, wurde in Hamburg mit nachdenklichen und zugleich ermutigenden Worten von Dr. Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, sowie dem israelischen Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, eröffnet.



Beide sprachen über die Zeit, in der wir heute leben: eine Phase voller Unsicherheit für jüdische Gemeinschaften, aber auch eine Zeit, in der Engagement, Dialog und Verantwortung besonders wichtig sind. Beim Blick in den Saal mit rund 400 jungen jüdischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland wurde schnell deutlich, dass diese Konferenz zu einem der wichtigsten Treffpunkte für eine neue Generation jüdischen Lebens im Land geworden ist.


Für viele der Teilnehmenden zwischen 18 und 35 Jahren ist die JuKo weit mehr als nur eine Konferenz. Sie ist ein Ort der Begegnung – um Freunde aus verschiedenen Gemeinden wiederzusehen, Ideen auszutauschen, über Politik und Identität zu diskutieren und darüber nachzudenken, was jüdisches Leben in Deutschland heute bedeutet.


Für mich persönlich war es auch eine Gelegenheit, mich mit zwei Workshops an diesen Gesprächen zu beteiligen.


Der erste trug den Titel „More than Soccer – The Fans of Werder Bremen and the Support of Hersh Goldberg-Polin“.

Dabei ging es um eine bemerkenswerte Geschichte von Solidarität: wie Fußballfans von Werder Bremen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober öffentlich ihre Unterstützung für Hersh Goldberg-Polin z"l organisiert haben. Was zunächst wie ein Gespräch über Fußball begann, entwickelte sich schnell zu einer breiteren Diskussion über Zivilgesellschaft, Empathie und die Frage, an welchen unerwarteten Orten Solidarität entstehen kann.



Der zweite Workshop beschäftigte sich mit israelischer Politik und Führung:„Power, Survival and Legacy – Understanding Benjamin Netanyahu“.

Gemeinsam mit der israelischen Journalistin Mazal Mualem sprachen wir über die lange politische Karriere von Benjamin Netanyahu. Dabei ging es um Fragen von Macht, Strategie, persönlichem Überleben in der Politik und den tiefen gesellschaftlichen Spannungen innerhalb Israels. Die Fragen aus dem Publikum waren direkt, kritisch und zugleich sehr reflektiert – genau die Art von Diskussion, die eine solche Konferenz ausmacht.



Während des gesamten Wochenendes zeigte die JuKo erneut ihre besondere Bedeutung: Sie bringt eine neue Generation jüdischer Stimmen in Deutschland zusammen – junge Menschen, die bereit sind, offen zu diskutieren, schwierige Fragen zu stellen und gleichzeitig eine enge Verbindung zu Deutschland und Israel zu leben.

Und dann trat plötzlich Geschichte in den Raum.


Am Schabbatmorgen begann sich eine Nachricht leise in den Fluren der Konferenz zu verbreiten:Der Krieg mit dem Iran hatte begonnen.

Plötzlich lagen überall Smartphones auf den Tischen. Nachrichten wurden geteilt, Updates gelesen, Gespräche veränderten ihren Ton. Viele der Teilnehmenden haben Familie oder Freunde in Israel. Die politischen Diskussionen des Vortages wirkten auf einmal unmittelbarer, persönlicher.


Es war ein Moment, der deutlich machte, wie eng jüdisches Leben in Deutschland mit den Entwicklungen in Israel verbunden bleibt – politisch, emotional und persönlich.

Und dennoch ging die Konferenz weiter – vielleicht sogar mit einem noch stärkeren Bewusstsein für ihre Bedeutung.


Schlussgedanke

Wenn man an diesem Wochenende durch den Konferenzsaal blickte, konnte man etwas sehen, das Statistiken oder Schlagzeilen oft nicht erfassen: eine junge Generation jüdischen Lebens in Deutschland, die engagiert ist, kritisch denkt und bereit ist, sich mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig wurde durch die Ereignisse am Schabbat deutlich, dass diese Gespräche nie im luftleeren Raum stattfinden. Entwicklungen in Israel wirken unmittelbar auf jüdisches Leben in Europa.


Doch was bedeutet diese Verbindung für die Zukunft? Wie offen können innerjüdische Debatten über israelische Politik geführt werden? Und wie wird diese jüngere Generation ihr Verhältnis zu Israel in den kommenden Jahren definieren?



Die JuKo hat erneut einen Raum geschaffen, in dem solche Fragen gestellt werden können.

Die Antworten darauf sind jedoch noch lange nicht endgültig gefunden. #zwst #zentralratderjuden #momentfromisrael #workshops


Bildquelle: Gregor Zielke/ZWST

 
 
 

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