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Jüdisches Leben in Deutschland – Seminar der GdP in Berlin



Es gibt Themen, die mich seit vielen Jahren begleiten.Jüdisches Leben in Deutschland ist eines davon.Vielleicht, weil es meine eigene Geschichte berührt.


Drei Tage lang durfte ich ein Seminar der Gewerkschaft der Polizei in Berlin mitorganisieren und als Referent begleiten. Die Teilnehmenden waren Bildungsreferent:innen der GdP aus ganz Deutschland – Menschen, die innerhalb der Polizei Wissen weitergeben, Haltung prägen und als Multiplikator:innen wirken.


Mehr als Schutz – den Menschen sehen

Antisemitismus ist in Deutschland keine abstrakte Debatte.Synagogen, jüdische Schulen und Gemeindezentren stehen unter Polizeischutz. Für viele Polizist:innen gehört das zum Berufsalltag. Für jüdische Familien gehört es zum Leben.


Genau hier setzte dieses Seminar an. Nicht mit der Frage, wie man schützt, sondern wen man schützt.


„Wer schützt, sollte auch verstehen, wen er schützt.“(Bildungsreferent:in, GdP)

Der Besuch einer Berliner Synagoge war kein formaler Programmpunkt. Nach einem Grußwort von Rabbiner Ehrenberg ging es direkt um grundlegende Fragen: Was ist Judentum eigentlich? Was bedeutet jüdische Identität in Deutschland heute – religiös, kulturell, säkular?



Den ersten Seminartag haben wir schließlich gemeinsam in einem koscheren Restaurant beendet – mit vielen offenen Fragen und Gesprächen, die noch lange nachwirkten.


Polizeialltag trifft jüdischen Alltag

Der zweite Seminartag führte direkt in den jüdischen Alltag Berlins: ins Rabbinerseminar, in den Austausch mit einem Polizeirabbiner, in einen koscheren Supermarkt und in ein jüdisches Gymnasium. Dabei ging es nicht nur um Einblicke, sondern um sehr konkrete Fragen zum Alltag und Sicherheit – im direkten Austausch mit den jeweiligen Ansprechpartner:innen der jüdischen Gemeinde.



Ein weiterer Programmpunkt war das Treffen mit Makkabi Deutschland und dem Jugendleiter von TuS Makkabi Berlin. Er teilte seine persönliche Geschichte als Fußballer und Trainer – und sprach offen über seinen wöchentlichen Kontakt mit der Polizei vor und nach Spielen. Auch das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden in Deutschland wurde vorgestellt. Ein sehr persönlicher Austausch, bei dem alle Fragen erlaubt – und ausdrücklich erwünscht – waren.


Hier verschob sich etwas.

Denn plötzlich wurde sichtbar, wie sehr Sicherheit Teil des jüdischen Leben in Deutschland ist – nicht als Ausnahme, sondern als Alltag.

„Wir leben normal – aber nie ungeschützt.“(Gespräch aus der jüdischen Gemeinde)

Gleichzeitig wurde deutlich, das jüdisches Leben trotz allem stattfindet: Kinder gehen zur Schule, Jugendliche trainieren, Menschen kaufen ein.



Antisemitismus konkret – nicht abstrakt

Der dritte Tag war bewusst anders aufgebaut. Nach einer Führung durch den Chabad Pears Campus folgte kein Blick nach außen und keine politischen Debatten. Stattdessen ein sehr konkretes Gespräch mit dem Antisemitismusbeauftragten der Polizei Berlin.

Es ging um Entwicklungen, Zahlen und Grauzonen.Um die Frage, wo Meinungsfreiheit endet und Straftat beginnt. Und um Antisemitismus, der oft leise beginnt – lange bevor er strafrechtlich relevant wird.

„Antisemitismus beginnt oft nicht mit Gewalt, sondern mit Sprache.“

Was bleibt – und wie es weitergeht

Für mich liegt die Stärke dieses Seminars nicht in der Menge der Informationen, sondern in der Verbindung von Wissen, Begegnungen und beruflicher Praxis.

Die Gewerkschaft der Polizei hat hier einen Raum geschaffen, in dem Schutz nicht nur als Auftrag verstanden wurde, sondern als Verantwortung, jüdisches Leben zu ermöglichen und zu sichern.


Deshalb ist es umso wichtiger, dass dieses Format kein einmaliger Moment bleibt.Weitere Seminare in regionalen Bildungszentren der Gewerkschaft der Polizei sind angedacht, um diese Gespräche, Perspektivwechsel und Begegnungen auch außerhalb Berlins möglich zu machen.

„Solche Formate wirken nicht sofort – aber sie wirken nachhaltig.“

Jüdisches Leben in Deutschland zu schützen bedeutet mehr als Konzepte und Präsenz.

Es bedeutet, den Menschen zu sehen.


Mein besonderer Dank gilt den jüdischen Institutionen und Gesprächspartner:innen für den offenen Austausch und Dialog und der Gewerkschaft der Polizei danke ich für das Vertrauen und den Mut, erstmals gemeinsam ein solches Seminar durchzuführen.


 
 
 

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Henry Jakubowicz

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